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07/06 - Arbeitszeitmodelle + Brief an Lemke

Seitenabschnitte:
Dänisches Arbeitszeitmodell –
„Gute Zeiten – schlechte Zeiten“
Offener Brief
Wichtige Meldungen in Kürze
Arbeitszimmer
Beamtengehälter
Tarifverhandlungen Bremerhaven
Neuordnung Lehrerausbildung
Bannmeile
Schon mal vormerken:

Dänisches Arbeitszeitmodell –

Workshop mit dem Kollegen Rainer Iwersen während der Grundschultage

„Arbeit wird bezahlt“


Eine hohe Unterrichtsverpflichtung und eine nicht definierte Grauzone außerunterrichtlicher Tätigkeiten führen im Bundesland zu einer hohen Arbeitsbelastung. Durch Prä-senz-, Kooperations- und Fortbildungsverpflichtungen hat der Senator für Bildung weitere Anforderungen an Lehrkräfte in den letzten Monaten festgelegt.

Kollegien erwarten zu Recht eine Arbeitseingrenzung, die sich an vergleichbaren Verpflichtungen im öffentlichen Dienst orientiert. In Dänemark ist es durch tarifvertragliche Regelungen gelungen, Unterricht und außerunterrichtliche Tätigkeiten mit Zeitfaktoren zu belegen, die in ihrer Summe auf 1.680 Stunden Jahresarbeitszeit kommen. Die vom dänischen Kollegen Iwersen gemachte Aussage, geleistete Arbeit werde in Dänemark bezahlt, lässt aufhorchen und fordert einen Blick auf die Details des Modells heraus.

Nun wird dem Modell von Kritikern eine gewisse Starrheit nachgesagt und auch ein gewisser Hang, bis hin zu Einzelttätigkeiten vieles zu regeln. Nur: Was spricht dagegen, wenn
-vor Schuljahresbeginn für jede Lehrkraft die Arbeitsleistung vereinbart wird,
-vier Wochen vor Schuljahresbeginn alle Kolleginnen und Kollegen ihren Einsatzplan haben müssen (gesetzliche Bestimmung),
-alle Vertretungsstunden Teil der bezahlten Arbeit sind und damit in den Jahresgesamtplan als Puffer eingebaut werden müssen, wobei Überstunden, so sie durchgeführt werden, 50 % Lohnaufschlag beinhalten
-vor Schuljahresbeginn damit klar ist, welche Tätigkeiten durch das Arbeitsvolumen des Kollegiums nicht abgeleistet werden können und damit nicht stattfinden,
-in einem 2-jährigen Rhythmus das Arbeitzeitmodell überprüft und ggf. verändert wird durch die Fortschreibung des Tarifvertrages zwischen der Landesvereinigung der Kommu-nen und der Lehrergewerkschaft.

Unser Ziel kann nur sein, die bei uns vorfindliche „Flexibilität“ der Arbeitszeitregelung einzudämmen, so lange sie aus-schließlich zu Lasten der Kolleginnen und Kollegen geht. Zur Ermutigung, dass sich eine solche Auseinandersetzung für uns lohnt, hier noch einige Aspekte des dänischen Vertrages.

Von den oben genannten 1.680 Jahresarbeitszeitstunden werden genutzt
-375 Stunden als „individuelle Zeit“ (Vorbereitung, Nachbereitung, Bewertung),




-125 Stunden (durchschnittlich) als „Schulentwicklungsstunden“ (Schulprogrammarbeit, Teamarbeit, SchiLF usw.)
-180 Stunden für Pausen.

Die verbleibenden 1.000 Stunden der „Schulzeit“ sind nicht mit Unterricht gleichzusetzen, der im Übrigen weiter definiert wird als bei uns und andere Formen als den Klassenunterricht ausdrücklich einbezieht. So
-erhalten KlassenlehrerInnen 75 Stunden für ihre Tätigkeit,
-werden Klassenreisen mit 16 Stunden täglich gerechnet und
-weitere Funktionen mit Zeitkontingenten verrechnet (aufgabenbezogen).



Es gilt immer das Prinzip, angeordnete Tätigkeiten sind Arbeitszeit und werden angerechnet; ein Prinzip, das sich nur durch die Geschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen und ihren hohen Organisationsgrad durchsetzen ließ und halten lässt. Hierin wird eine wesentliche Aufgabe der GEW in der kommenden Zeit bestehen. Das „Machtverhältnis“ wird letztlich auch über die Entlohnung entscheiden. Diese ist, wenn auch mit deutschen Verhältnissen schwer vergleichbar, nicht so schlecht, wie die Lohndrücker in der Bundesrepublik glauben machen wollen. Neben einem „Basislohn“ gibt es Zulagen im so genannten „Funktionslohn“, beispielsweise für jede gehaltene Unterrichtsstunde.

„Gute Zeiten – schlechte Zeiten“

Grundschultag mit großem Zuspruch durchgeführt

Hohe Beteiligung an Grundschultagen

Die von der GEW-Fachgruppe mit Unterstützung von LFI, Grundschulverband und ZEB geplanten und durchgeführten Grundschultage unter dem Titel „Gute Zeiten-schlechte Zeiten“ fanden in diesem Jahr eine besonders hohe Resonanz. Ca. 60 KollegInnen aus Grundschulen und Kindertagesstätten besuchten die Eröffnungsveranstaltung mit Prof. Johannes Beck zum Thema „Schulzeit ist Lebenszeit“. An den Workshops am 10.5.2006 nahmen 143 KollegInnen teil. Auf Initiative der GEW-Fachgruppe Primarstufe wurde auf der Eröffnungsveranstaltung ein Offener Brief (s. Kasten) an Bildungssenator Lemke verlesen, der breite Zustimmung fand. Viele Teilnehmer der Workshops bestärkten ihre Zustimmung zu diesem Brief durch ihre Unterschrift. Der Offene Brief und die Unterschriften sind dem Senator mit der Bitte um Stellung-nahme zugesandt worden. Wir warten auf seine Antwort!
Ich danke allen, die sich an der Mitarbeit bei Planung und Durchführung der Grundschultage beteiligt haben, für ihren hervorragenden Einsatz.

Rainer Hüls
(Vorsitzender der Fachgruppe Primarstufe)

Offener Brief

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Senator Lemke!

Seit zwanzig Jahren, erstmalig im Jahre 1986, finden im zweijährigen Rhythmus in Bremerhaven die Grundschultage statt. LFI und GEW planen diese Fortbildungstage und werden vom Arbeitskreis Grundschule und dem ZEB unterstützt.
Die Notwendigkeit Reformprozesse in der Grundschule einzuleiten, führte zur Einrichtung dieser bis heute wichtigen und von vielen KollegInnen genutzten Fortbildungsveranstaltung. In diesem Jahr haben sich für die Workshops 150 KollegInnen angemeldet.
Immer wieder gingen von den Grundschultagen Impulse aus, die wichtige Veränderungen in den Schulen unterstützten. Dadurch fanden offene und differenzierte Unterrichtsverfahren immer stärker Eingang in die Grundschulpädagogik. Dies ermöglichte die Auflösung der Sonderschulen im Primarbereich und die Beschulung geistig behinderter Kinder in den Regelschulen. An vielen Schulen wird in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen gearbeitet.
Von Beginn an ergaben die Diskussionen auf den Grundschultagen, dass das Notensystem der Integration und den differenzierten Unterrichtsformen widerspricht. Immer mehr KollegInnen in Bremerhaven nutzten Beurteilungsformen ohne Zensierung durch Noten. Zuletzt erhielten weit über 50% der Schüler in Bremerhaven während der Grundschulzeit nie eine Note. Das Verfahren hatte eine hohe Akzeptanz bei den Eltern.
Mit der Einführung der neuen Zeugnisordnung wurde dieser wichtige Prozess beendet. Auf den Grundschultagen vor zwei Jahren wurden die Beurteilungsformen in der Grundschule noch einmal ausgiebig thematisiert. Die Vertreterin Ihrer Behörde hatte die Gelegenheit, die neue Zeugnisordnung zu vertreten. Sie stieß hier auf breites Unverständnis. Auch eine Vielzahl von Konferenzbeschlüssen sprach sich gegen die in der neuen Zeugnisordnung vorgesehene Notengebung in den Grundschulen aus.
Wir haben in den letzten zwei Jahren Erfahrungen sammeln müssen, die unsere Auffassung, dass Noten in dem bestehenden System Grundschule nichts zu suchen haben, bestätigen.
Wir erleben, dass aus unserer Sicht willfährig einzelne Schulen von der Notengebung befreit werden, obwohl die Gründe gegen diese an allen Standorten gegeben sind.
Von keinem Gutachter bei Vera, Iglu oder Pisa wurden Noten in der Grundschule als leistungsfördernd bei Grundschülern gepriesen.
Die Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung der Grundschultage am 9.05.2006 in Bremerhaven fordern sie deshalb auf, die bestehende Zeugnisordnung aufzuheben und ein den Erfordernissen der Grundschule angepasstes Beurteilungssystem einzuführen. Genügend ausgearbeitete Vorschläge zur Umsetzung dürften in Ihrer Behörde vorliegen.

Wichtige Meldungen in Kürze

Arbeitszimmer

Unter dem Titel „Arbeitszimmer sind Arbeitsmittel“ sammelte die GEW bundesweit Unterschriften, um ihre Forderung zu unterstreichen, Arbeitszimmer auch künftig als Werbungskosten anzuerkennen. Kürzlich wurden dem Finanzstaatssekretär Nawarth in Berlin mehr als 32.000 Un-terschriften übergeben. Da Lehrkräften vom Arbeitgeber kein Arbeitszimmer zur Verfügung gestellt wird, erledigen sie weiterhin wesentliche Arbeiten zuhause. Dies darf der Staat als Steuergesetzgeber nicht ignorieren; die Pläne der Bundesregierung werden somit als verfassungswidrig eingeschätzt.

Beamtengehälter

Die öffentlichen-Dienst-Gewerkschaften im DGB fordern vom bremischen Landesgesetzgeber sowie der Landesregierung in Bremen die Zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses für die Landesbeschäftigten auf alle Beamtinnen und Beamte zum 1. November 2006. Dies betrifft die gestaffelten Jahressonderzahlungen (ehemals Weihnachts- und Urlaubsgeld), die Einmalzahlungen für 2006 und 2007, die tarifliche Erhöhung zum 1.1.2008 sowie die vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit.

Tarifverhandlungen Bremerhaven

Die kommunalen Verhandlungen stocken derzeit, da die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Immerhin steht die Aussage von Oberbürgermeister Schulz, den TVöD übernehmen zu wollen (PV des gesamten öffentlichen Dienstes, Juni 2005).

Neuordnung Lehrerausbildung

Auf einer Veranstaltung mit Ausbildungskoordinatoren und Mentoren wurden der Informationsstand über die Umsetzung der Neuordnung ausgetauscht und – neben einer Gesamteinschätzung über die Auswirkungen für Schulen und Auszubildende – sich abzeichnende kritische Komponenten zur Qualität und Organisation benannt. Zur Systematisierung der Erfahrungen hat die GEW ein Kriterienpapier herausgegeben, das über das Internet unter www.gew-hb.de abgerufen werden kann. Zu Beginn des neuen Schuljahres werden wir eine Druckfassung noch einmal verschicken und im Laufe des Herbstes eine erste Auswertung vornehmen.

Bannmeile

Aus gegebenem Anlass weisen wir auf folgenden Sachverhalt hin:
Das Grundgesetz gilt weiterhin!

Das Vorgehen „Bannmeile“ zur Durchsetzung des Rauchverbots an Schulen über Schulgremien verhängen zu wollen, ist voreilig und entfaltet keine Wirksamkeit. Schulgremien sind nicht für den öffentlichen Raum zuständig. Der Rechtsausschuss der Bürgerschaft prüft bereits den Sachverhalt.

Eine entsprechende Verlautbarung ist abzuwarten.

Schon mal vormerken:

  • Dienstag, 10. Juli 2006
    Sitzung des Schulausschusses
    Aktion „Neueinstellungen“
    Treffpunkt: Unter den Arkaden, Stadthaus 1
    Zeit: 15.45 Uhr

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Dänisches Arbeitszeitmodell –
„Gute Zeiten – schlechte Zeiten“
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Wichtige Meldungen in Kürze
Arbeitszimmer
Beamtengehälter
Tarifverhandlungen Bremerhaven
Neuordnung Lehrerausbildung
Bannmeile
Schon mal vormerken:

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