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06/09 Bündnis + LehrerInnenmangel

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Bremerhavener Bündnis - weitere Aktionen
LehrerInnenmangel

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Bremerhavener Bündnis - weitere Aktionen



Einen Monat nach der Behandlung des Einwohnerantrags „Eine Schule für alle“ in der Stadtverordnetenversammlung hat das Bremerhavener Bündnis die für die zweite Jahreshälfte geplanten Maßnahmen abgestimmt. Unstrittig war, dass trotz der Ablehnung des Antrags durch die Koalitionsparteien und die FDP das bisherige Eintreten für ein längeres gemeinsames Lernen Wirkungen gezeigt hat: Das Thema „Eine Schule für alle“ ist öffentlich platziert – trotz der Verhinderungsstrategie der politisch Verantwortlichen in den letzten Monaten, eine Diskussion zur Schulentwicklungsplanung mit den Betroffenen überhaupt zuzulassen. Eine ausführliche Stellungnahme zur zweistündigen Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung findet sich in der blz 6/09.

Vor diesem Hintergrund entwickelte das Bündnis folgende Überlegungen:

  • August 2009: Gespräch mit Dr. Paulenz / SPD Vorsitzendem Breuer
    Wenn der entscheidende Kritikpunkt am Einwohnerantrag darin bestand, dass die zeitlichen Vorstelllungen des Bündnisses nicht stimmig seien – obwohl sie denen der Koalitionsvereinbarung entsprechen – dann erwartet das Bündnis nunmehr die Formulierung eines Handlungs- und Zeitplans zur Einführung „Einer Schule für alle“.
  • September 2009: Veranstaltung mit ParteipolitikerInnen im Vorfeld der Bundestagswahl am 27.09.2009:
    „Was hält bis zum 28.?“
    Die Idee zu dieser „ehrlichen Podiumsdiskussion“ resultiert aus dem Verhalten der Stadtverordneten während der Erörterung des Einwohnerantrags, in der sie Mühe bei der Interpretation ihrer eigenen Koalitionsvereinbarung hatten. Das wollen wir ihnen beim nächsten Mal ersparen. Deshalb die Frage vorweg: Wals gilt auch am Tag „danach“?
  • November 2009: Kongress „Eine Schule für alle“
    Nachdem von offizieller Seite bislang inhaltlich sehr defensiv agiert wurde, zeigen wir, wie es geht: Wir konkretisieren unsere Vorstellungen zu einer einheitlichen Schulbildung bis zur 9./10. Klasse – auch anhand bestehender, positiver Erfahrungen, die außerhalb unseres Bundeslandes gewonnen wurden.
  • Dezember 2009 / Januar 2010: Veranstaltung (nicht nur) für Eltern von Viertklässlern: „Denkt europäisch“.
    Unter dem Blickwinkel, was denn nun „das Beste“ für´s Kind ist, soll eine informative Aufklärung über „Eine Schule für alle“ erfolgen.

Diese bislang verabredeten Aktivitäten zielen darauf ab, weiterhin Überzeugungsarbeit zu leisten und politischen Druck in die richtige Richtung zu entfalten.

Unabhängig vom konkreten Anliegen, „Eine Schule für alle“ zu thematisieren, stellt sich nach Abschluss des Verfahrens generell die Frage, welchen Stellenwert eine Bürgerbeteiligung tatsächlich hat. 2 % der Einwohnerunterschriften sammeln zu müssen, bedeutet eine hohe Hürde, die eher ein Ausschluss- als ein Ermutigungskriterium sind. Ein „Bürgerhaushalt“ als direkte Steuerung bleibt bei diesem Verständnis von Partizipation eine Perspektive der Zukunft.

LehrerInnenmangel

Die Hälfte der Bremerhavener Lehrkräfte geht in den nächsten Jahren (in den Ruhestand)
Anmerkungen zur Altersstatistik

Eine Vorbemerkung zum Datenschutz: Wir erhalten vom Schulamt Tabellen, in denen zum jeweiligen Alter die Zahl der betreffenden Kollegen und Kolleginnen und auch die Zahl der Stellen, die von ihnen real eingenommen werden, angeführt sind. Somit können wir Schlüsse auf das Teilzeitverhalten durchführen, aber die Daten nicht einer konkreten Person zuordnen.
Die Daten beziehen sich immer auf den gleichen Stichtag. Deshalb können wir auch vergleichen, ob in einem Jahrgang Kollegen dazugekommen oder weggegangen sind.
Kollegen, die bereits in der passiven Phase ihrer Altersteilzeit sind, sind hier nicht aufgeführt.



Im Diagramm sind die aktuellen Daten als schwarze Balken dargestellt. Z. B. heißt der schwarze Balken über der 50, dass am 21. Februar 2009 22 Personen 50 Jahre alt waren. Die grauen Balken legen das Jahr 2006 zugrunde und zeigen an, wie viele Kollegen und Kolleginnen dieses Alter im Jahr 2009 erreicht haben müssten, wenn seit 2006 niemand dazugekommen oder
ausgeschieden wäre. So zeigt der graue Balken bei dem Lebensalter 50, dass es im Jahr 2006 22 Personen gab, die 47 waren und demnach jetzt 50 sein müssten.
Die Einstellungen in den siebziger Jahren, mit denen man hoffte, der 1964 konstatierten Bildungskatastrophe begegnen zu können, sind im Diagramm immer noch als Wellenberg erkennbar. Bei angenommenen 40 Berufsjahren und ca. 1200 Lehrkräften in Bremerhaven sind durchschnittlich in jedem Jahrgang 30 Personen. Würde dieser Durchschnitt realisiert, dürfte nur die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen älter als 45 sein, tatsächlich sind es zwei Drittel und die Hälfte ist 53 oder älter.
Die Zusage, die ausscheidenden Kollegen und Kolleginnen durch Neueinstellungen zu ersetzen, ist im Vergleich 2006/2009 eingehalten worden: 2006 waren es 1188 Personen, die 1104 Stellen besetzten, 2009 1199 Personen, die 1103,6 Stellen besetzten. Nimmt man die Unterschiede der Balkenlängen als brauchbares Maß für Zu- und Abgänge, so stehen 173 Ausgeschiedenen 184 Zugänge gegenüber. Gemessen an der alten GEW-Forderung sind das etwa 100 Neueinstellungen zu wenig. Wer glaubt, mit Blick auf das Diagramm in den nächsten Jahren mit jeweils 20 bis 30 Neueinstellungen auszukommen, verkennt folgende wichtige Punkte:

  • Mit dem Alter nimmt die Anfälligkeit für Krankheiten zu, so dass die Unterrichtsversorgung schon deshalb nicht auf dem heutigen Niveau gehalten werden kann. Die Anzahl der Schwersterkrankten steigt in letzter Zeit explosionsartig. Verbunden damit gibt es vorzeitige Pensionierungen. Ab 55 Jahren gehen die Kolleginnen und Kollegen verstärkt aus dem Dienst. Viele halten nicht bis 65 durch und gehen mit 60 in Altersteilzeit, daher die großen Unterschiede von schwarz und grau bei den Über-Sechzigjährigen.
  • Erfreulicher, aber ebenfalls nicht bedacht ist der Umstand, dass mit der Einstellung junger Kolleginnen auch viele von ihnen in den Mutterschutz gehen werden.
  • Die verstärkten Einstellungen in den siebziger Jahren haben bundesweit zu ähnlichen Altersverteilungen geführt. Der zu erwartende „Pensionierungsboom“ setzt überall gleichzeitig ein, so dass es zunehmend schwieriger werden wird, neue Lehrer nach Bremerhaven zu holen oder hier zu halten. Jede Lehrperson, die jetzt über den bloßen Pensionierungsersatz eingestellt werden kann, ist ein Gewinn für die Zukunft.
  • • Die heutige Situation ist eine Folge ständiger Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen einerseits und in den Unterrichtsbedingungen andererseits. Eine Verbesserung ist nur mit mehr Personal möglich. 1998 betrug die Zahl der Lehrpersonen in Bremerhaven noch 1376, d. h. fast 200 mehr als heute. Wer es ernst meint mit der Priorität für Bildung, weiß woran er anknüpfen kann.

Der GEW Stadtverbandsvorstand
wünscht allen Kolleginnen und Kollegen
eine entspannte und erholsame Ferienzeit.

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