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04/06 - TVöD + Arbeitszimmer + Guter Unterricht

Seitenabschnitte:
Tarifauseinandersetzung geht weiter
„Arbeitszimmer sind Arbeitsmittel“
Aussitzen reicht nicht
Brief an die Parteivorsitzenden in Bremerhaven
Priorität für guten Unterricht
Vorankündigung
Veranstaltung zur Neuorganisation der LehrerInnenausbildung im Landes Bremen
Einige Thesen zur Neuordnung der LehrerInnenausbildung

Tarifauseinandersetzung geht weiter

Die Tarifauseinandersetzungen des öffentlichen Dienstes haben seit dem 10./11. März nochmals deutlich an Schärfe zugenommen. Spätestens nach dem Auftreten des Verhandlungsführers der Tarifgemeinschaft deutscher Länder, Minister Möllring (Niedersachsen) ist deutlich, dass die Mehrheit der Arbeitgeber eine Einigung nicht anstrebt. Vielmehr kündigen sie die Grundlage aller Tarifauseinandersetzungen auf, den Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Dass ein wesentliches Moment praktizierter Demokratie dabei auf der Strecke bleibt, ist gewollt: Möllring und die ihn stützenden Ministerpräsidenten streben das Diktat der Arbeitsbedingungen durch die Arbeitgeber an. Einseitig festgelegt werden sollen u.a. die Verlängerung der Arbeitszeiten und die Streichung bzw. Kürzung der so genannten Sonderzahlungen.

Zusammen mit den DGB-Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes und der dbb-Tarifunion hat die GEW sich bundesweit kampfbereit und kampffähig gezeigt. Die Großdemonstration am 09. März in Berlin mit 6.500 Teilnehmern war ein Beispiel dafür, der erfolgreiche Streik an der Alwin-Lonke-Straße in Bremen am 15. März ein weiteres. Dabei hat sich die Solidarität beamteter Kolleginnen und Kollegen immer wieder gezeigt, auch in Bremerhaven, wie das Bild oben belegt.

Was geschieht nun in Bremerhaven? Oberbürgermeister Schulz hat einen Verhandlungsweg angekündigt. Die zuständigen Gewerkschaften bildeten daraufhin Tarifkommissionen, derzeit ist nicht abzusehen, welchen Zeitrahmen diese Gespräche benötigen. Die Personalversammlung des unterrichtenden Personals hat am 22.03. die Ankündigung des Oberbürgermeisters begrüßt, auf dem Verhandlungsweg einen Abschluss erzielen zu wollen. Ebenso hat sie aber unmissverständlich die Einhaltung aller Bestandteile des TVöD eingefordert.



„Arbeitszimmer sind Arbeitsmittel“

In den vergangenen Wochen sind in vielen Kollegien Unterschriften gesammelt worden. Mit diesen Unterschriften protestieren wir gegen die Pläne der neuen Bundesregierung, Arbeitszimmer nicht mehr als Arbeitsmittel gelten lassen zu wollen und deren steuerliche Anrechnung zu streichen.

Die Unterschriftensammlung ist Teil einer bundesweiten Kampagne der GEW. Im Bundesland Bremen sind mittlerweile mehr als 1.000 Unterschriften zurück an die Geschäftsstellen geschickt worden. Bei über 5.000 Lehrkräften ist das ein guter Anfang, die Zahl kann allerdings nicht das Endergebnis sein.

Deshalb fordern wir euch auf, in euren Kollegien weiter zu sammeln!

Ein unterstützendes Signal in dieser Sache haben wir von Finanzminister Nussbaum erhalten, der auf den Brief der Landesvorstandssprecher wie folgt antwortete:

Aussitzen reicht nicht

Guter Unterricht braucht genügend Lehrkräfte. Schulentwicklung muss personell abgesichert sein. Die eben beschriebene Initiative „Priorität für guten Unterricht“ greift diese Zusammenhänge auf.

Unabhängig von Schulentwicklung muss jedoch zunächst einmal das durch die Stundentafeln abgesicherte Minimum an Unterricht gewährleistet sein. Der Stadtverbandsvorstand hat bekanntermaßen mehrfach darauf hingewiesen, dass die Stadt jährlich ca. 100 neue Lehrkräfte benötigt, um am Ende der jetzt anlaufenden „Pensionierungswelle“ ein funktionsfähiges Schulsystem zu besitzen.

Im Rahmen der Haushaltsdebatten hat die Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema geschwiegen.

Nachstehend dokumentierten Brief haben wir an die Vorsitzenden der demokratischen Parteien in der Stadtverordnetenversammlung geschickt. Die Aufforderung ist klar: Parteiübergreifende Initiative statt gemeinschaftlichem Aussitzen.



Brief an die Parteivorsitzenden in Bremerhaven



Priorität für guten Unterricht

In den letzten vier Wochen fassten eine Reihe von Schulen in Bremerhaven bereits Konferenzbeschlüsse und forderten „Priorität für guten Unterricht“ ein. Dies geschah in mehreren Fällen mit Hinweisen auf die ganz konkrete Situation an der jeweiligen Schule und den daraus resultierenden zusätzli-chen Belastungen für die Kolleginnen und Kollegen. Die überzeigenden Mehrheiten, mit denen diese Beschlüsse verabschiedet wurden, zeigen auf, dass in den Kollegien der Unmut wächst über die Verbürokratisierung der Schularbeit, gleichzeitig aber für notwendige Schulentwicklungsmaßnahmen das eingefordert wird, was wirklich Erfolg bringt: Mehr Zeit durch mehr Personal.

Zur Erinnerung legen wir die Textvorlage nochmals mit der Bitte bei, entsprechende Beschlüsse auch in anderen Schulen zu fassen.

Vorankündigung

Veranstaltung zur Neuorganisation der LehrerInnenausbildung im Landes Bremen

am Donnerstag, den 20. April 2006, 18.00
in der Aula der Goetheschule, Deichstr. 37
(Referentin: Frau Cornelia von Ilsemann, Senator für Bildung)

Einige Thesen zur Neuordnung der LehrerInnenausbildung

  1. 1. Eine inhaltliche Abstimmung zwischen Mentoren und LIS-Mitarbeitern ist nötig, die Qualifizierung von Mentoren ein richtiger Ansatz. Eine mentorengeleitete Ausbildung ohne Qualifizierung der Mentoren ist jedoch unprofessionell und wird nicht zu einer Qualitätsverbesserung der Lehrerausbildung führen. Der Anspruch der Referendare nach qualifizierter Ausbildung wird nicht eingelöst, da der Rahmen der Mentorenqualifizierung nicht klar ist (Beginn, Umfang, Zeitdauer, Verbindlichkeit).
    2. Die im neuen Modell organisierte Ausbildungsstruktur, die für die Ausbildung eines Referendars jeweils 5 Ausbilder vorsieht (Fach 1: Fachleiter und Mentor, Fach 2: dito, EGW-Fachleiter) führt zu einer Atomisierung der Ausbildung und der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Fachdidaktik und EGW und leistet damit einer naiv-pädagogischen Ausbildung Vorschub. Die unterschiedlich benutzten Arbeitsbegriffe werden zu einer Verunsicherung der Auszubildenden führen und nicht die Einlösung der Einheit von Theorie und Praxis unterstützen.
    3. Die zusätzlichen Anforderungen an die Schulen auf verschiedenen Ebenen werden nicht hinreichend als zusätzliche Arbeit anerkannt.
    4. Die Berechnungsgrundlage der Arbeit der Fachleiter/Ausbildungsbeauftragten mit 0,65 pro Referendar führt zu einer Verzettelung der Arbeit der Fachleiter und verhindert damit die im Modell eingeforderte Kooperation mit den entsprechenden MentorInnen. Insbesondere Ausbildungsbeauftragte stoßen durch ihr hohes Unterrichtsdeputat auf erhebliche organisatorische Hindernisse. Der Aufbau eines kompetenten „Nachwuchses“ im LIS wird vor dem Hintergrund der Berechnungsmodalitäten unterlaufen.
    5. Die im Modell vorgesehene Hospitationsdichte der Mentoren, die möglichst in Kooperation mit den Fachleitern erfolgen soll, ist vor dem Hintergrund des vorgegebenen Berechnungsschlüssels für die Arbeit der Mentoren nicht einlösbar.
    6. Der Ansatz des Selbstorganisierten Lernens, der Teil des neuen Ausbildungskonzeptes ist, kann ohne kompetente Begleitung nicht zur Professionalisierung der Lehrerausbildung führen. Insofern muss ein Zeitfaktor für die Begleitung und für die prozessorientierte Bewertung der Lernprodukte mit in den Berechnungsschlüssel aufgenommen werden.
    7. Die Zahl der Unterrichtsstunden, die Referendare unterrichten müssen, ist zu hoch. Sie verhindert die eingeforderte Theorie-Praxis-Ableitung, unterstützt die nicht gewünschte theorieblinde Übernahme von Unterrichtshandlungen und führt somit nicht zu einer Professionalisierung der Lehrerausbildung. Sie führt zu sinkender Akzeptanz der Lehrerausbildung in den Schulen. In den Grundschulen beispielsweise folgen daraus sinkende Unterrichtsanteile von Klassenlehrern und die Notwendigkeit von Abordnungen.
    8. Die Ausbildung in Modulen führt zu einer weiteren Atomisierung der Inhalte, lässt die Referendare in ihren Ausbil-dungsanstrengungen allein und führt damit zu einer Beliebigkeit in der Ausbildung. Die implizierte Vorstellung, die Referendare könnten in einem Beratungsgespräch ihre eigenen Defizite erkennen, um über die Modulwahl eine eigene Ausbildungsstruktur zu organisieren, ist unbegründet.
    9. Eine stärkere Akzentuierung des Praxisbezugs in der Lehrerausbildung ist richtig. Vor dem Hintergrund der defizitären Lehrerausbildung in der ersten Phase allerdings ist ein so hoher Unterrichtseinsatz der Referendare nicht sinnvoll, da sie mit der Einlösung einer innovativen Unterrichtsdidaktik überfordert sind. Unklar bleibt zudem die Organisation und Überprüfung der inhaltlichen Verzahnung von 1. und 2. Phase sowie die Einlösung des stärkeren Praxisbezugs in der 1. Phase vor dem Hintergrund der Unterrichtsrealitäten.
    10. Die angekündigte Verkürzung des Referendariats auf 18 Monate wird – besonders nach der Umstellung auf das
    Bachelor-Masters-Modell zu einer weiteren Entprofessionalisierung der Lehrerausbildung führen. Darüber hinaus verengt die Re-Etablierung klassischer Lehrämter die Qualifikation der „neuen“ Lehrkräfte.
    11. Die fehlende Attraktivität der neuen Lehrerausbildung beschleunigt das Erreichen einer Mangelsituation. Eine be-darfsbezogene Verteilung der Referendare in Bremen und Bremerhaven ist nicht absehbar.

Seitenabschnitte:
Tarifauseinandersetzung geht weiter
„Arbeitszimmer sind Arbeitsmittel“
Aussitzen reicht nicht
Brief an die Parteivorsitzenden in Bremerhaven
Priorität für guten Unterricht
Vorankündigung
Veranstaltung zur Neuorganisation der LehrerInnenausbildung im Landes Bremen
Einige Thesen zur Neuordnung der LehrerInnenausbildung

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